Gedanken zum „Digitalen“ in der Lehre

Leider reißt die Diskussion darüber, ob denn „das Digitale“ / „die Digitalisierung“ für die Lehre wirklich Vorteile bringt nicht ab. Ein Grundproblem dabei ist, dass die Definition, was mit Digitalisierung genau gemeint sehr unscharf ist und viele Begriffe durcheinandergeworfen werden:

Nach der Flipped Classroom Convention in Berlin (siehe diesen Nachbericht) besuchte ich aufgrund des sehr unbeständigen und kalten Wetters das Museum für Kommunikation in Berlin (siehe dazu diese Fotostrecke, natürlich alles cc_by). Nachvollzogen wird, wie Menschen Informationen austauschten bzw. auf diese Zugriff nahmen und nehmen, sowie wie sie diese mitgestalten.

Digitalisierung hat in diesem Zusammenhang mehrere Effekte, wobei zu betonen ist, dass es immer um einen Mix aus digitalen sowie Zugriffen / Vorgangsweisen geht bzw. es letztlich sinnlos ständig zu versuchen krampfhaft Unterschiede sowie Abgrenzungen zwischen „analog“ und „digital“ zu finden:

  • In einer sekundenschnelle Weise ist der Zugriff auf unterschiedlichsten Informationen möglich, ebenso auf jahrhundertealte Archivbestände (Hinweis: Immer mehr Museen gehen dazu über Inhalte abrufbar zu machen, die gerade für die Lehre spannende und kostenfreie Materialien darstellen)
  • Diese Informationen sind immer intensiver in interaktiven Formaten In multi- und transmedial aufbereitet – damit werden verschiedene Sinneskanäle angesprochen und es wird ein immersiver Zugang / Umgang gefördert
  • Zu jeder gefundenen Information ist es ebenso in sehr rascher Weise möglich – u. a. durch Nutzung enthaltener Quellen, Querverweisen, Schlagwörtern, Verweise zu Erstellenden – Quellen zu suchen und zu finden, die dabei unterstützen, Inhalte zu vergleichen und bewerten
  • Darüber hinaus gibt es verschiedene Tools, die dabei unterstützen, Gefundenes zu sammeln bzw. strukturieren bzw. für andere übersichtlich und ansprechend aufzubereiten
  • Und: Es ist wesentlich einfacher & schneller, vorhandene Informationen zu kommentieren und zu bewerten
  • Ebenso schnell lassen sich Informationen zu Erstellenden gefundener Informationen finden, also ebenso ob und für welche Institutionen / Unternehmen diese tätig waren (oder sind), wer die Erstellung unterstützt bzw. finanziert hat
  • Darüber hinaus kann mit Erstellenden, Forschenden, ExpertInnen, MultiplikatorInnen auf einfache und niederschwellige Weise Kontakt aufgenommen werden (und diese Begegnungen auch in digitaler Form anderen zur Verfügung gestellt werden)
  • Ebenso wesentlich leichter und vielfältiger verfügbar sind Online-Plattformen auf denen gefundenes / erworbenes Wissen angewendet werden kann, interaktive Übungsbeispiele geboten werden sowie verschiedenste spielerischer Zugänge
  • Und nicht zuletzt sowie besonders wichtig: Es ist viel einfacher geworden, verschiedenste Inhalte zu erstellen und anderen Menschen zugänglich zu machen – auch solchen „ganz woanders“ auf dieser Welt (siehe diesen Beitrag zu „learner generated content“)

Smartphones, Tablets und Laptops / PC sind somit Lern- und Informationszugangsinstrumente. Das sind natürlich ebenso Bücher oder andere schriftliche Materialien – und wie schon erwähnt geht es um ein abwechselndes oder ebenso paralleles Nutzen von analog sowie digitalen Zugangsmöglichkeiten. Und ja natürlich bleibt dabei der unmittelbare Kontakt zu anderen Menschen wichtig und essentiell. Oder das Hands-On ausprobieren, in Sozialräume gehen, Natur erforschen usw. – begleitet, ermöglicht, unterstützt, dokumentiert wird dies durch digitale Tools. Wobei diese auch Zugänge zu „Räumen“ ermöglichen, die normalerweise nicht aufsuchbar / so unmittelbar gefahrlos erforschbar sind: Das Innenleben u. a. unseres Körpers, von Maschinen, Computerprogrammen oder auch Atomen, die Tiefen des Meers und des Weltalls, alle Regionen dieser Erde und anderer Planeten.

Und ja, dies bedeutet, dass wir ebenso lernen müssen, wie sich digitale Möglichkeiten selbstbewusst, verantwortungsvoll und sinnvoll nutzen lassen.

Ausgangspunkt Medienbiographie

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Medien begleiten unseren Lebensweg, jeder Mensch hat seine eigene, unverwechselbare Medienbiographie, seine Geschichte des Umgangs mit Medien. Sie trägt zum persönlichen Wissensstand bei, ist mitentscheidend für bestimmte Einstellungen und Entscheidungen. Die Reflexion der Medienbiographie ist ein wichtiger Schritt zur Weiterentwicklung der eigenen digital literacy.

Zur Biografie gehören ebenso der aktuelle Zeitraum sowie Zukunftsszenarien. Als Werkzeuge können dabei Tools wie „dipity“ (http://www.dipity.com/) oder „Timeline“ (http://timeline.thinkport.org/) zum Einsatz kommen, um einen Zeitstrahl zu visualisieren (siehe auch diesen Blogbeitrag http://www.improflair.at/blendedflippedteaching/arbeiten-mit-zeitleiste-zeitstrahl/).

Mögliche Impulsfragen zur Reflexion der eigenen Medienbiographie sind:

  • Welche Medien habe ich wann das erste Mal bewusst genutzt?
  • Welche Medien waren „verboten“?
  • Welche Medien / Medieninhalte waren Pflicht bei der Aus- / Weiterbildung?
  • In welchen Lebensphasen haben bestimmte Medien für mich eine besonders wichtige Rolle gespielt? Welche Entscheidungen und Einstellungen haben sie (mit)geprägt?
  • Mein(e) Lieblingsfilm, -buch-, autorIn, -musikstück, -komponistIn …
  • Wie nutze ich welche Medien momentan, also auch:
    • Wie leicht sind sie für mich zugänglich?
    • In welcher (auch zeitlichen) Intensität & Regelmäßigkeit?
    • Was mache ich während ich die Medien nutze (z. B. Frühstücken, Bügeln …)?
    • Welche Medien werden gleichzeitig genutzt?
    • Anhand eines Zeitraums wie z. B. eine Woche: Welche Inhalte sind bei mir „hängen geblieben“, haben mein Denken & Handeln mit bestimmt?
    • Nutze ich Medien, die gezielt vielfältige Informationsquellen nutzen (vor Ort, Sicht der „Betroffenen“, Vergleich verschiedener Statistiken, „alternative“ Nachrichtendienste (z. B. Inter Press Service www.ipseuropa.org)?
    • Vergleiche ich die Berichterstattung verschiedener Medien
    • Versuche ich Informationen durch Nutzung anderer Quellen und Bildungsangebote sowie durch Alltagserlebnisse und –begegnungen zu verifizieren / zu ergänzen?
  • Wie wird mein Medienkonsum durch FreundInnen, LebensgefährtIn, ev. Kinder usw. kommentiert? Hier kann ein Vergleich mit der Situation in der Herkunftsfamilie sehr spannend sein.
  • Wie nutzen Menschen in meinem unmittelbaren Umfeld Medien?
  • Bei gemeinsamen Medienkonsum: Wer wählt aus?
  • Ist kritische / partizipative Mediennutzung ein Thema in meinem sozialen Lebensumfeld?
    • Beschäftige ich mich mit Produktionsbedingungen von Medien bzw. Grundlagen der Wirkungsforschung?
    • Welche Medien oder Medieninhalte produziere ich selbst (z.B. Blog im Internet)

 

Literatur zum Thema Medienbiographie

Biermann, Ralf (2014): Medienbiografie. In: Tillmann, Angela/Fleischer, Sandra/Hugger, Kai-Uwe: Kinder und Medien. Wiesbaden: VS-Verlag, S. 125-136

Biermann, Ralf/Kommer, Sven (2004): Medienbiografien mit Kompetenzgewinn – Videomaterial in der Forschung. In: PH FR Zeitschrift der Pädagogischen Hochschule Freiburg 2004/2 + 2005/1. S. 20-21.

Hoffmann, Bernward (2011): Medien und Biografie: „Sie sind ein Stück von Deinem Leben“, in: Hölzle, Christina/Jansen, Irma (Hg.): Ressourcenorientierte Biografiearbeit. Grundlagen − Zielgruppen − Kreative Methoden, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 273−278.

Kommer, Sven/Biermann, Ralf (2007): Zwischen Erinnerung und Inszenierung – Medienbiografien medial. In: Freiburger FrauenStudien „Erinnern und Geschlecht, Band II“, Band 20/07, S. 195-220.

Nosko, Christian; Kunnert-Wernhart, Veronika (2012). „In der Schule haben wir manchmal Filme gesehen“. Medienbiografie in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften. In: merz medien + erziehung, 3/2012, München, S. 56-62.

Pöyskö, Anu (2009): Medienbiographie – ein Leben voller Medien, in: Magazin erwachsenenbildung.at, Ausgabe 6, 2009, online unter: http://www.wienxtra.at/fileadmin/daten/OeA/PDF/pdfs_2009/poeyskoe_medienbio.pdf

 

Medienbiographie – WebSite der KPH Wien/Krems mit Impulsen zur eigenen Mediengeschichte in Bezug auf Fernsehen, Printmedien, Computerspiele, Kommunikation, Musik sowie mit Podcasts mit erzählten Medienbiographien http://pro.kphvie.ac.at/medienbiografie/einleitung/

Social Media in der (Hoch)Schule

Einige kommentierte Links:

Allgemein

Twitter

Facbook

Spiele und Onlinestories zum Thema Flucht

Zwei Vorbemerkungen: In der Diskussion um den Einsatz neuer Medien Schule oder Hochschule wird dies manchmal als eigene „Methode“ analysiert. In diesem Blogbeitrag gehe ich davon aus, dass es darum geht, ausgehend von einer umfassenden Planung, Werkzeuge / Materialien – egal ob Buch, Bleistift, Smartphone oder Online-Game – bewusst auszuwählen, einzusetzen und dies gemeinsam mit Lernenden zu reflektieren. Im Vorfeld des e-Learning Tag des Joanneum 2015 sowie des „Tag der Lehre“ der FH St. Pölten 2015 stelle ich einige Online-Spiele vor sowie multimediale Arten des storytelling, die die Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht unterstützen.

Die zweite Vorbemerkung – warum ausgerechnet dieses Thema? Einerseits ist es so alt wie die Menschheitsgeschichte, ich denke nur an die biblischen Israelis, denen keine Wahl blieb als alles zurückzulassen und die vor den Ägyptern zu flohen. Flucht ist auch ein Thema meiner Familie, meiner Großeltern, die voller Hoffnungen, Begeisterung und Überzeugung nach Moskau gingen und von dort später wieder gehen mussten, weil eben Ausländer, noch dazu mit jüdischen Wurzeln vor der schnell überhand nehmenden kommunistischen Paranoia nicht mehr sicher waren. Zurück nach Wien, wo sie mit dem letzten Zug vor den deutschen Truppen flohen nach Paris und weiter als diese auch zu dieser Stadt nachrückten. Dann die Zeit wo mein Großvater als „Ausländer“ in einem Internierungslager festgehalten wurde und erst im letzten Moment freigelassen wurde, damit meine Familie das Schiff in die USA erreichen konnte… Und dann noch die letzte Wendung, als in den USA der kalte Krieg sich in die Verfolgung von allem und jeden niederschlug, die „kommunistisch“ schienen und meine Familie nach Österreich zurückkehrte, obwohl sie inzwischen Wurzeln geschlagen hatte.

Andererseits ist Flucht gerade mit dem Konflikt in Syrien ein wieder neu aktuelles Thema, besonders die Art und Weise, wie Menschen auf der Flucht in und rund um Traiskirchen behandelt werden. Es ist einmal mehr unübersehrbar geworden, etwa auch mit Großzelten mitten in Linz.

Herzlich willkommen sind als Kommentar Hinweise auf andere Online-Spiele bzw. multimediale Online-Materialien, die das Lernen zum Thema unterstützen bzw. die kritische Auseinandersetzung mit den vielen Vorurteile und verfälschten Fakten. Oder die dabei unterstützen, aus der Ohnmacht ins Handeln zu kommen…

Online-Strategie-Spiel der BBC

Hintergrund und eingebettetes Spiel http://blog.zeit.de/teilchen/2015/04/02/wie-sie-aus-syrien-fluechten-wuerden/

BBC Seite: http://www.bbc.com/news/world-middle-east-32057601

Kritische Analyse http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/BBC-wird-fuer-Onlinespiel-Syrian-Journey-kritisiert

Online Newsgame von Arte und Süddeutsche Zeitung

http://www.sueddeutsche.de/politik/online-newsgame-gehen-sie-ins-fluechtlingslager-1.2108665

Hintergrund dazu: http://reportagen.com/blog/2015/07/27/reporter-spielen-im-fl%C3%BCchtlingscamp

Online Spiel der UNHCR „Last Exit Flucht“

http://www.unhcr.de/service/unhcr-entdecken/lastexitflucht-onlinespiel.html?L=0%3D\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\%22%20and%207%3D16–%20a

oder http://www.playagainstallodds.ca/

Online Spiel

http://www.darfurisdying.com/

Hintergrundartikel von Amnesty International zu den oben genannten Spielen

https://www.amnesty.de/journal/2015/februar/spiel-der-realitaet

Online Spiel wo Spielende in die Rolle se Kontrolleurs einsteigen, der Papiere von Einreisenden prüft

http://www.gamesforchange.org/play/papers-please/

Onlinespiel: Es ist möglich die Rolle des Fahrers eines Auto zu übernehmen, das Flüchtlinge jagt oder jene des Flüchtlings

http://www.gamesforchange.org/play/the-migrant-trail/

UNHCR Online Quizspiel

http://www.unhcr.ch/fileadmin/unessi_online_quiz_ch/de/quiz.html

Online-Spiel für Kinder „auf der Flucht“

http://www.sternsinger.org/sternsingen/sternsingen-2014/onlinespiel-flucht.html

Update: gamestar.de hat auch zum Thema einen sehr gute Überblick zusammengestellt.

Und noch ein Link zum Downloadspiel frontiers

Online Story

http://www.ein-tag-im-fluechtlingslager.org/

Seeking Refuge / Zuflucht gesucht (Animationsfilme & ausführliche Unterrichtsmaterialien)

Weitere interaktive „Geschichten“ werden hier beschrieben http://www.nzz.ch/feuilleton/medien/mit-den-augen-eines-fluechtlings-1.18593168

Links zu den Geschichten:

http://www.dadaabstories.org/ mitten im größten Flüchtlingslager

http://refugeerepublic.submarinechannel.com/ – mit interaktiven Elementen

http://www.der-zaun.net/

Update:

In diesem offenen / editierbaren Google Dok hab ich kostenlose Ressourcen gesammelt um Menschen auf der Flucht / AsylwerberInnen / Menschen die hier (zeitweise / ganz) bleiben beim Deutsch Lernen zu unterstützen. Bitte teilen & weitergeben & beitragen!

Meine Twittergeschichte @cfreisleben

Es gibt ein nettes Tool, mit dem es möglich ist, den ersten eigenen Tweet zu finden.

Der meinige stammt aus dem Jahre 2009 (https://discover.twitter.com/first-tweet#cfreisleben). Damals war ich schon gewohnheitsmäßig intensiver Nutzer von Facebook https://www.facebook.com/christian.f.freislebenteutscher und google+ https://plus.google.com/u/0/+ChristianFFreislebenTeutscher/posts , experimentierte mit Linkedin https://www.linkedin.com/pub/christian-f-freisleben-teutscher/20/8b/305 und Xing bzw. auch mit Blogs.

Twitter erschien mir als nur sehr, sehr bedingt sinnvoll. Ich gebe zu anfangs hatte ich auch ein Stück weit das Bild, es sei nötig quasi ständig zu twittern um in diesem Social Media Kanal irgendetwas oder irgendwen zu erreichen. Dem ist nicht so.

Zunächst ein Geständnis: Ich bin ziemlich sehr lahm bei SMS-Schreiben und so und twittere hauptsächlich mit dem PC und dem Tablet. Ja aber darf man denn das? Twitter ist doch sowas von mobil! Lesen, retweeten, favoritisieren das mache ich seitdem ich ein Smartphone habe (ca. drei Jahre) auch mit diesem. Selber schreiben ganz selten.

Es fühlt sich an am Anfang, dieses Twitter, wie ein Ozean, in dem ich hineinspucke. Also kein Mensch bemerkt mich. Insofern war ich anfangs nur sehr selten „dort“. Ich habe dann das schöne Web 2.0-Tool scoop.it http://www.scoop.it/u/christian-f-freisleben-teutscher entdeckt, dass ich sicher auch aus egoistischen Gründen nutze, nähmlichst um irgendeinen Überblick zu behalten zu Fundstücken die ich im Internet so finde. Mit scoop.it können gefundene Links auch mit einem Häckchen auf div. Social Media Kanälen plaziert werden. Und das brachte mir dann in einer für mich überraschend kuren Zeit meine ersten 100 Follower. Die sich ab und zu noch dazu für Fundstücke bedankten. Dazu kam dann auch intensiveres Bloggen – mit WordPress war auch eine schnelle Verbindung zu Twitter verbunden.

Letztlich begann ich nach und nach bewusst zu schauen, wer sonst noch für mich interessant sein könnte. Heute nutze ich Twitter vor allem für:

  • Eine sehr schnelle und für mich machbare Art der Dokumentation von Veranstaltungen (off- und online), bei denen ich als Teilnehmer dabei bin – ich sammle so nebenbei ebenso Hintergrund- und weiterführende Links, bzw. halte einzelne spannende Aussagen der Vortragenden und eigene Gedanken dazu fest. So ergibt sich wiederum eine Grundlage für Postings in anderen Social Media Kanälen und für Blogs (ergänzend dazu: bei der gmw14 postete Elke Lackner (Uni Graz) treffender Weise: „Auf Twitter befinde ich mich in einem Nebenraum zum Hörsaal“

  • Vernetzung: Zu für mich wesentlichen Themen – u. a. alles rund um E-Learning, blended learning, inverted classroom, Didaktik, Gesundheitspolitik, E-Health, Web 2.0, Angewandte Improvisation – halte ich so Kontakt zu einigen wirklich tollen Info-LieferantInnen und –quellen; weiters ergeben sich über diesen Austausch persönliche Kontakte und Kooperationen, auch dadurch dass ich selbst regelmäßiger Lieferant von Informationen und Ideen bin

  • Wissensmanagement: Meine gesendeten & empfangenen Tweets helfen mir ebenso, Dinge wiederzufinden, oder Quellen und Kontakte und spannende Projekte

  • Schnellen Zugang zu Informationen: Twitter ist ein Kanal, über den ich oft als allererstes auf spannende Trends, Ereignisse, Themen aufmerksam werde

  • Insgesamt begleitet, fördert, inspiriert Twitter also mein (all)tägliches Lernen (wobei ich keineswegs täglich twittere oder Tweets lese und auf diesem Kanal trotzdem sehr gut „drin“ bin!)

Noch als Ergänzung, auch wenn schon etwas länger her: Link zu einem Gespräch mit Monika E. König auf ununi.tv, eine derer, die ich ohne Twitter wohl nicht so schnell und intensiv kennengelernt hätte.

Und: bei der #gmw14 war ich der fleißigte Twitterer: siehe hier: http://twitterstat.tugraz.at/analysis.html?archive=%23gmw14&parameter=&start=&end=

Neue Prüfungskultur

Ein wichtiger Themenfaden bei der #gmw14 war E-Assessment, also ebenso die immer wieder diskutierten E-Prüfungen. Sehr stark ging es etwa hier und hier um die technischen Rahmenbedingungen wie Schummeln verhindert werden kann (inkl. Phänomene wie Ghostwriting), dies hängt stark mit der Frage zusammen, inwieweit Ergebnisse aus solchen Prüfungen rechtlich anerkannt sind.

Ich habe die Frage gestellt, was eigentlich das Ziel einer Prüfung ist. Jemand brachte dazu zunächst den Begriff des „Bulimielernen“ hinein: sehr schnelles Aufnehmen (oft mit Fokus auf Auswendiglernen), „ausspucken“ auf Knopfdruck mit wenig nachhaltigen Auswirkungen. Jörn Lovisach berichtete, dass er Studierende im Zuge von Abschlusstätigkeiten zu Bachelor oder Master (auf freiwilliger Basis) nochmals ganz rudimentäre Gleichungen als Aufgabe stellt und viele an dem scheitern.

Fragen zur weiteren Diskussion dazu sind daher u. a.:

  • Wie lassen sich „Lernleistungen“ quasi „am Weg“ evaluieren, also im laufenden Semester?
  • Was genau wird als „Lernleistung“, als „Erfolg“ gewertet; dazu gäbe es viele Optionen u.a.:
    • Entwickeln und beantworten von Fragen
    • Quizzes (bei denen auch Fragen von Studierenden kommen können)
    • Multible-Choice-Frageinstrumente
    • Tätigkeiten im Peer-Review (inkl. Mitarbeit an Review-Kriterien)
    • Erstellung & Mitgestaltung verschiedenster „Materialien“ (siehe hier), die Lerninhalte aufgreifen, (neu) verknüpfen, kommentieren, ergänzen, zusammenfassen…
    • Projektarbeiten bzw. Mitarbeit bei der Forschung
    • Tätigkeiten als TutorIn / MentorIn
  • Wie lassen sich Leilinien zu dieser Form der Evaluierung gemeinsam entwickeln, bewerten, weiter entwickeln?
  • Wie lassen sich bei dem allen möglichst enge (und im Idealfall später ergänzbare / wieder aufnehmbare / weiter verfolgbare) Bezüge zu späteren beruflichen Tätigkeitsfeldern herstellen?

Social Media Werzeuge für Lehre auswählen

In einem Hands-On-Workshop vei der #gmw14 wurden Ergebnisse aus dem EU-Projekt „Social Media for Education“ (SoMeCat) vorgestellt wobei hier Forschende aus Russland, der Türkei, Deutschland und der Schweiz zusammenarbeiten.

In den Analysen zum Projekt festgestellt wurde einmal mehr: Viele Lernende nutzen Social Media sowohl für das Privatleben als auch das Lernen (Anm.: und entdecken dabei immer öfter Interlinks). So gestalten sie auch selbstständig Online-Lerngruppen, nutzen Lernvideos, und Werkzeuge zur Koordination & Kollaboration.

Lehrende wissen das grundsätzlich sind aber öfters keine aktiven NutzerInnen von Social Media weder privat noch beruflich. Und, die Befragungen aus SoMeCat zeigen: Sie sind auf der Suche nach sinnvollen Werkzeugen die sie einsetzen können. Auf der (dreisprachigen!) WebSite http://www.socialmediaforeducation.org/en_gb/ können Lehrende Informationen zu ihren Lehrndesign eingeben und erhalten als Ergebnis eine Übersicht zu möglichen Instrumenten und in welchen Feldern diese einsetzbar sind.

Das Instrument ermöglicht einen schnellen Einstieg ins Thema „Einsatz von Social Media in Lernsettings“, auch weil „am Weg“ einiges an Hintergrundinformation vermittelt wird und unterstützt eine bewusste Auswahl und damit Einsatz verschiedener Werkzeuge.

„Räume rundherum“

Es entstand bei der #gmw14 die Diskussion, inwieweit ein „Raum“ wie das öffentliche Verkehrsmittel, das für die Fahrt genutzt zur Bildungsinstitution wird, beeinflussbar ist.

Meine Sicht dazu: Die Frage ist wie immer zunächst was ist das Ziel dabei? Ohne Zweifel wird genau dieser Raum oft sehr wahrscheinlich zum Lernen genutzt, sowohl alleine und ebenso in off- und online Kleingruppen. Es sind also Orte, die zum Gesamtkonzept der persönlichen Lernumgebung gehören. Im Zuge deren Reflexion und Weiterentwicklung könnte es also etwa darum gehen:

  • Welche Studierende (und Lehrende) nutzen einen Raum wie „die“ öffentlichen Verkehrsmittel auf welche Weise, mit welcher (sich verändernden? Gleichbleibenden?) Intensität?
  • Was wird dabei als förderlich, was als behindert für „gutes Lernen“ wahrgenommen?
  • Welche Inhalte könnten in diesem Raum vermittelt werden (in Zürich gibt es etwa das Konzept der „Kurzvorträge im Triemli-Tram sowie)?
  • Welche Kooperationen sind mit einer Kommune, Betreibern der öffentlichen Verkehrsmittel denkbar – projektbezogen oder auch ausgerichtet auf langfristige Veränderungen (ebenso im Sinn von Stadtentwicklung, Bildung als öffentlicher Auftrag usw.?

Siehe dazu etwa die podcasts der „Triemli-Tram“ in Zürich sowie die ebenso dort zu findenden Projekte der PatientInnenengeschichten und Gesundheits-Kurzvortägen

Lernräume off- und online und dazwischen

Auch bei der keylecture von Sabrina Brandt und Gudrun Bachmann (Universität Basel. Hintergrund: https://itsi.ltn.unibas.ch/) am zweiten Tag der #gmw14 (Videoaufzeichnung: https://t.co/jHArRYWHvG) ging es um Räume, wobei zunächst eher der „physikalische“ Aspekt im Vordergrund stand. (Eine weitere Zusammenfassung findet sich hier: http://2014.gmw-online.de/blog-keynote-auf-dem-weg-zum-campus-von-morgen/ und ausführlicher hier: http://2014.gmw-online.de/015/)

Studierende sind heute mehr denn je Lernwanderer „zwischen unterschiedlichsten Räumen“ (also u. a. Prüfungs-, Lehr-, Lern-, Zwischen- und Spielräume). Es geht also auch um die Grenzgänge zwischen „anytime-anywhere“ versus „home based“ Lernen.

Zum Einsatz auf dem Weg zu einen neuen Campus kamen Methoden wie designthinking, Fotoexkursionen, Workshops,… Weiters wurde die Persönliche Lernumgebung in den verschiedenen Feldern visualisiert.

Ein interessanter Vergleich dabei: Werden Kinder gefragt, was sie sich für einen Spielplatz wünschen kommt vermutlich schnell „Sandkasten“ und „Schaukel“. Auch weil diese Aussage von inneren Bildern geprägt ist, was eben zu einem Spielplatz gehören könnte. Es braucht also eine Vorgangsweise, während der Wünsche sowohl entstehen können, als auch gemeinsam entwickelt werden.

Einige Erkenntnisse (hier fließen auch Wahrnehmungen von der Keylecture am dritten Tag ein: https://t.co/oMr0WZzrCP Siân Bayne «Digital education and University space»:

  • Auch vorhandene Lernräume können durch verblüffend einfache Maßnahmen an gerade aktuelle Bedürfnisse angepasst werden (Tische umstellen usw.)
    • Gewünscht sind sowohl Individualräume als auch Räume für Gruppenaktivitäten (gilt ebenso für Online-Räume!) wobei die interessante Frage ist, wie leicht sich diese Räume rasch transformieren & zurückverwandeln lassen
    • Und: wie leicht lassen sich eigentlich leere Räume von Studierenden und Lehrenden kurzfristigst und niederschwellig buchen (siehe dieses Beispiel der Uni Basel: http://raumfinder.ch/detail/info/100166.html)
    • Als Kommentar zur keylecture: leben – und lernen – bedeutet aneignung, also auch bewusst gewollte, geförderte mitgestaltgung
  • Studierende (und natürlich auch Lehrende) verbringen teils den ganzen Tag am Campus – wie also muss dieser gestaltet werden, um Bedürfnisse zu stillen wie Hunger, Durst, Sehnsucht nach Ruhe, liegen können, Begegnungsräume…
    • Manche Orte wirken so: Studierende sind hier eigentlich (explizit) nicht willkommen
    • Gewünscht sind auch IT-freie Räume bzw. überall anders Essentielles wie W-Lan, Steckdosen & Co.
    • Die Uni / FH als „Zweitwohnung“ ist auch in Hinblick auf mögliche „Pausenräume“ in Curricula usw. kritisch anzusehen und der Balanceakt zwischen Lernen & Privat bzw. den Interlinks dazwischen
      • Und: wie ist das, wenn sich Zuhause eine massive Veränderung wie ein Hausbau, Geburt, Heirat, Trennung ergeben; welche Unterstützung ist dann wichtig?
    • Wie ist das bei blended learning oder Fernstudien; Sophie Lenz sagte dazu treffend: Fernstudierende als Schrödinger-Katzen…“Sie sind auf der Uni und sie sind nicht auf der Uni“
  • Selbstverwaltete Herangehensweisen unterstützen schnelle Lösungen, etwa das Anschaffen eines 3D-Druckers
  • Serviceanspruch vs. Eigenverantwortung: dieser „Wechsel“ braucht Zeit, Unterstützung, Impulse
  • Regelmäßige Evaluierung wichtig -> Beispiel: http://t.co/ZladiSNSV1
  • Potentiale durch bewusste Begegnungen zwischen unterschiedlichsten Studienrichtungen bis hin zu gemeinsamen Projekten – Räume fördern interne Vernetzung & Wissensmanagement / Raum als Change Agent

E-Learning, blended learning, inverted classroom braucht Strategien

Titel der #gmw14 war ja „Lernräume gestalten – Bildungskontexte vielfältig denken“. Am ersten Tag ging es im Workshop „Digitale Lernräume an Hochschulen schaffen“ (http://2014.gmw-online.de/426/) um Strategien die es braucht, damit E-Learning, blended learning oder auch Konzepte wie der inverted classroom überhaupt umgesetzt werden können.

Eine solche Strategie braucht eine interdisziplinäre Ausrichtung, die an allen Handlungsfelder einer Bildungseinrichtung anknüpft. Es geht also um Felder wie:

Claudia Bremer betonte die Wichtigkeit bei solchen Strategien auf die Vielfalt, die Diversität unterschiedlicher Studienrichtungen und deren jeweiligen Kulturen zu achten, diese aktiv zu nutzen. (siehe dazu http://www.bremer.cx/vortrag51/Bremer_Folien_Universitaet_Hamburg2010.pdf besonders die Folie 7).

Als möglicher Ausgangspunkt für solche Strategien: http://efquel.org/tools/visced-success-factors/ und http://www.ecb-check.org/criteria-2/

Ein spannendes Thema beim Workshop: Welche Ziele hat eigentlich „e-learning“ (oder blended learning, ICM…)? Und woran ist zu merken / messen, dass der Weg dorthin stimmt, dass Teil“erfolge“ gelungen sind? Aus meiner Sicht, es geht um

  • Eine Haltung die ich mit einem gmw-Zitat beschreiben will: „die neuen LehrerInnen sind die Lernenden (Studierenden)“
  • eine umfassende Unterstützung von Lehrenden und Lernenden
  • bewusst ausgewählte und gut vorbereitete digitale Arbeitsräume, die gleichzeitig so flexibel sind, dass individuelle „Lieblingswerkzeuge“ auch genutzt werden können
  • bewusst ausgewählte Tools
  • sowie Aspekte die dann auch bei einer Session des educamps (ganze Doku: http://gmw14.educamps.org/) vorkamen:
    • Angebote, bei denen Lehrende und Lernende die Arbeitsräume kennenlernen und lustvoll ausprobieren können
    • Laufender Support bzgl. Möglichkeiten, niederschwellig nachfragen zu können
    • Reflexion & Erfahrungsaustausch welche Tools sich für welche Einsatzgebiete am besten eignen