Ein Workshop zu Mut

Ich durfte am 18. 4. ein Workshop für Pangea mit Methoden der Angewandten Improvisation umsetzen (alle u. a. Methoden und mehr sind hier dokumentiert). Pangea ist ein offener Kunst- und Kulturraum in Linz, der u. a. Menschen mit Fluchterfahrung und Migrationshintergrund dabei unterstützt sich in dieser Stadt ein Stück Heimat aufzubauen. Also eine wichtige Aufgabe, die eigentlich auch von der öffentlichen Hand unterstützt werden sollte, was aktuell nicht ausreichend der Fall ist.
Thema des Workshops war Mut und Ermutigung. Begonnen haben wir mit Varianten des „bewussten Gehens“, also miteinander auszutesten, wie sich Bewegung anspürt, wenn wir sehr eng gehen oder sehr weit und alles dazwischen. Ein zweiter Schritt war, dass alle im Raum gemeinsam gingen und gemeinsam losgingen, aufeinander achtend, jede noch so kleine Bewegung wahrnehmend sowie gemeinsam stehen blieben. Beim einen neuen Losgehen ermunterte ich dann eine Variante von „mutig gehen“ vorzuzeigen, die alle sofort gemeinsam ausprobierten. So sahen / erlebten wir einige Varianten von Offenheit, von Kraft, von Ausdrucksstärke, von Lautstärke, von Neugier.
Im nächsten Schritt spielten wir gemeinsam „Ich bin, ich bin, ich nehme“ und überlegt was alles zu Mut dazu gehört: Wissen und Nicht-Wissen,, Merken und Vergessen, Selbstsicherheit, neue Ideen, Humor, Enthusiasmus. Dann war wieder eine Variante von „Gehen“ dran: Wir standen im Kreis. Und jeweils eine Person bewegte sich „mutig“ quer durch den Raum, dann folgte die nächste und ging ans „andere Ende“ des Kreises, inspiriert durch das Wahrgenommene oder auch mit einer ganz neuen Idee. Dabei war sehr oft „Stolz auf mich“ ein Thema und „Mein Weg ist richtig“…
Dann noch eine andere Möglichkeit des gemeinsamen Gehens: zu zweit gehen. A geht auf eine mutige Weise und B übernimmt diese Art und Weise so genau als möglich, dann natürlich Wechsel. Und sich einige Male neue PartnerInnen suchen und das weiter ausprobieren und so einander Varianten mutiger Schritte zu zeigen, sie gemeinsam auszutesten.
Um Mut noch intensiver zu spüren arbeiteten wir dann mit einem Veränderungskreis: Jemand begann mit einer Geste und vielleicht einem Laut zum Thema Mut. Der/die nächste machte diese Bewegung ein Stück größer und der/die nächste noch größer. Sehr schön zu erleben war dieses selbst ein Stück „noch größer“ werden, den Mut auszuprobieren, zu experimentieren, sich lautstark auszudrücken, den ganzen Körper und oft die Stimme mit dazu einzusetzen. Dabei war auch lautstarkes Aufstampfen, der eigenen Meinung Ausdruck verleihen, aufbrechen, Kraft spüren…
Ein weiterer Schritt in diesem gemeinsamen Forschen war, dass Teilnehmende einander gegenüberstanden und sich mutige Gesten, Bewegungen zeigten, die vom / von der anderen so genau als möglich gespiegelt wurden. Um sie dann wieder in einem zweiten Schritt größer, intensiver, eindrucksvoller, mutiger zu machen.
Schließlich begannen wir Mut in kleinen Szenen umzusetzen. Der erste Schritt war dabei im Kreis zu stehen und zu zweit eine ganz, ganz „kleine“ Szene zu Mut zu spielen. Also etwa einander die Frage zu stellen: „Was ist denn für Dich Mut?“. Auch hier war es sehr schön mitzuerleben, wie alle Anwesenden noch ein Stück mutiger wurden, viel von sich zeigten und erzählten.
Weiter ging es dann mit kleinen Szenen, für die die Teilnehmenden sieben Minuten Vorbereitungszeit bekamen. Das Angebot war: Eine Szene spielen, wo ein / alle Handelnden zunächst mutlos sind, wo Mut fehlt und wo sie dann Mut gewinnen und umsetzen. Gleich zweimal war dabei das Thema: Sprung vom Zehn-Meter-Brett. In der einen Szene stand ein Mensch ganz oben. Schließlich kam jemand dazu, sagte: „Lass uns gemeinsam springen“, nahm die andere an der Hand und gemeinsam gelang es. In der anderen Szene war es eine Familie, deren Tochter am Sprungbrett stand und sehr zaghaft nach unten sah, wo von der Familie sowohl bestärkende Worte kamen und auch Warnungen, es nicht zu übertreiben. Schließlich stiegen auch Vater und Mutter auf den Turm. Jetzt war es die Tochter, die die anderen ermutigte, an den Händen fasste, das Hinunterspringen einübte und dann mit den anderen gemeinsam voller Selbstvertrauen umsetzen. Mut braucht also gegenseitige Ermutigung, Zusprechen, an der Hand nehmen und auch Loslassen.
Ind er dritten Szene waren zwei Bekannte zu sehen, von denen einer der beiden lrank war. Der andere sprach ihm Mut zu, sorgte für Tee, ließ sich erzählen, hörte zu und sprach ermutigende Worte. Mut braucht also Zuwendung, gute Worte und eine Tasse heißen Tees.
Am Ende des sehr ermutigenden Workshops stand ein Ritual in zwei Stufen: Einander gegenüber stehen, sicher stellen, den Namen des/der anderen wissen bzw. wie er/sie angesprochen werden will. Dann diesen Namen sagen und eine Aussage über den anderen nach dem Muster „Du bist ein mutiger Mensch“. Ein sehr inspirierender Moment. Ebenso im Kreis zu stehen, die rechte Hand zwischen die Schulterblätter des/der anderen legen, soviel (Rück)halt geben, wie nötig, gemeinsam atmen, Ermutigung erspüren und erfahren, loslassen, einen Schritt zurückgehen und sich voneinander verabschieden.
Danke für das mutige Mitmachen und das Miterleben / Mittragen dürfen, wie Menschen innerhalb von wenigen Stunden ein deutliches Stück an Mut gewannen und andere zu Mut inspirierten!

Improvisation meets Guerilla

Ganz frisch erschienen ist ein Buch, das ich mit meinem lieben Kollegen Thomas Duschlbauer gemeinsam geschrieben habe: „Guerilla – Exploration, Improvisation und Kommunikation„. Dort finden sich umfassende Hintergründe zu Guerilla Kommunikation mit historischen Quellen und einer großen Palette an innovativen, kreativen Ideen für die Umsetzung in verschiedensten Feldern. Eingebracht habe ich dort auch Methoden, Herangehens- und Sichtweisen der Angewandten Improvisation, die so auch als Weg(e) einer dialogorientierten Intervention nutzbar werden.

Gleichzeitig erweitert sich so auf eine spannende Weise die Palette der möglichen improflair-Angebote! Gerne gestalten wir guerilla-camps an allen möglichen und unmöglichen Orten – die Methoden sind nicht nur für Werbekampagne eine innovative herangehensweise sondern auch für interne Kommunikation bzw. die Weiterentwicklung von Institutionen und Unternehmen.

Lernen mit dem ganzen Körper

Am 18. 10. durfte ich in einem gleichnamigen Workshop Methoden der Angewandten Improvisation bei der Fachtagung Elternbildung in Schlierbach einbringen. Thema der Tagung war „Kinder erreichen, fördern, stärken – Beziehung als Fundament“. (Teilnehmende bitte ich hier noch Eindrücke zu dokumentieren. Danke!!!)

Wie wirkt sich ein Ortswechsel und/oder ein Wechsel in der Körperhaltung, eine andere Perspektive in einem scheinbar bekannten Raum aus. Was lässt sich in diesem entdecken, wenn Teilnehmende einander durch den Raum führen und sich neue Details zeigen (zum Einsatz kam die Übung „Kamera“ siehe diese Beschreibung). In der Reflexion berichteten Teilnehmenden von neue Einsichten und viele Details, die über den Raum gewonnen wurden. „Spannend war, von jemand zu bestimmten Plätzen geführt zu werden, so ihre Sichtweisen kennen zu lernen.“

Wie fühlt sich ein Dreieck, ein Kreis an? Wie eine Zahl? Wie ein Obst oder anderes Lebensmittel? Teilnehmende zeigten einander pantomimische Objekte und gaben diese weiter (siehe dazu diese Beschreibung). Darauf aufbauend arbeiteten wir mit Wortassoziationen: Zunächst als Übung und dann: Welche Lösungen entstehen für ein typisches Problem aus der Arbeit mit Familien / Gruppen, wenn gemeinsam mit der Wort-für-Wort Methode gearbeitet wird? Spannend in der Reflexion: Betont wurde die Leichtigkeit, des gemeinsamen Finden von Lösungen. „Wobei es gleichzeitig um ein Hören und ein Einlassen auf die Worte der anderen geht.“

Beim Lernen ist ein wichtiges Thema wie verschiedene Aspekte z. B. eines Satzes, einer Geschichte, einer einfachen Rechnung… miteinander interagieren. Das wurde mit der Methode Maschine schön sichtbar und gleichzeitig spürbar. Dabei habe ich mit folgender Variante gearbeitet: Die erste Person, die einen Teil der Maschine darstellte benannte das Thema, alle anderen stiegen dann mit verschiedenen Aspekten davon ein. In der zweiten Runde war dann die Einladung: Das Thema und die erste Person / der erste Impuls bleibt gleich, die anderen bringen ein, wie das Thema „leichter“, „erfüllender“ wird, bis sich am Schluss auch die erste Person bei dieser neuen Weise wie die Maschine läuft anschloss.

Im nächsten Schritt entstand eine wunderbare Reihe von Museen: In Kleingruppen wurde jeweils eine Teilnehmende zu einer Museumsführende. Dabei gab es Museen für Gefühle, für Zeit, für antike Gegenstände… Die Führende benannte dort zu findende Objekte, die von verschiedenen Teilen der Gruppe verkörpert wurden.  Aus der Reflexion: Eine bunte Vielfalt von Themen wurde so sichtbar und in umfassenden Sinn an – / begreifbar.

Improvisation meets Polyästhesie

Am 29. und 30. Oktober durfte ich bei einem Symposium der Internationalen Gesellschaft für Polyästhesie mitwirken (siehe auch Polyästhesie auf wikipedia), bei dem die FH St. Pölten Mitveranstalter und Mitgestalter war. Ein Beitrag von mir war ein Workshop „Improvisation auf transmedialer Ebene“ ein.

Bei der Auswahl der Methoden ging ich v. a. von folgenden Kriterien aus:

  • Alle Anwesenden können sich möglichst gleichzeitig beteiligen
  • Möglichst oft kann eine „digitale Dimension“ eine Rolle spielen
  • Methoden, die sehr schnell zu erklären sind
  • Orientierung am Zeitslot inkl. Einberechnung von Raum für Debriefing

Zum Einstieg gab ich einen rudimentären Abriss zur Geschichte Angewandter Improvisation mit einem Fokus auf

1) Stehgreiftheater von Moreno, das Jahrtausende alte Traditionen aufgreift dabei ebenso Elemente der Vorgangsweise des „Tricksters“ aufgreift

2) die Sammlung und der Einsatz von Spielen durch Neva Boyd, Viola Spolin, Keith Johnstone, gerade auch in der Arbeit mit Kinder und Jugendlichen, bei der es sowohl um grundlegende literacy – lesen & schreiben – geht, also auch um soziale Aspekte u. a. wie Kooperation, Selbstwirksamkeit, eigenständiges Handeln

3) Improvisation als eine wesentliche (Ausdrucks)Form von öffentlichen künstlerischen Tun u. a. ausgehend von Beuys „Jeder ist Künstler, alles ist Kunst“

(Weiterführende Details zu diesen Aspekten finden sich in diesem englischsprachigen wissenschaftlichen paper von mir, S. 92 – 114).

Durch meine Teilnahme am bisherigen Symposium war ich mir sicher, dass genügend der Anwesenden ein Smartphone hatten. Ich bat vier davon sich zu erheben, die Anwenden zu eine dieser Personen zu gehen. Die Impulse / Vorgaben für diese Kleingruppen waren dann:

  1. Schritt: Die Person mit dem Handy geht in den Raum und macht spontan ein Foto. Dieses war dann die Inspiration für eine Wort-für Wort Geschichte wobei die fotografierende Person das erste Wort einbrachte. Spannend war dabei, dass die Gruppen sich auch während des Tuns das Bild miteinander immer betrachteten, sich darauf bezogen, „obwohl“ es „nur“ als initiale Inspiration gedacht war
  2. Schritt: Die Person mit dem Bild verlässt die Gruppe und schließt sich damit einer anderen an, das Bild und die Person wird zu einer zusätzlichen Inspiration für die vorhandene Wort-für-Wort-Geschichte
  3. Schritt: Die Gruppe einigt sich, was das Hauptthema der bisherigen Geschichte war.
  4. Schritt: Dieses Thema als Inspiration nutzend oder die vorhandene Geschichte weitererzählend wurde nun im Satz-für-Satz-Modus gearbeitet
  5. Schritt: Ich fragte die Gruppen: Wer ist der Held / die Heldin der Geschichte? Da ich vorher beim Erzählen zugehört hatte, betonte ich, dass es sich auch um einen Gegenstand handeln kann. Die Gruppen wurden nun eingeladen, Körperbilder von diesem Held / Heldin einander zu zeigen und davon jeweils ein Bild zu machen.
  6. Schritt: Die Person, die die Bilder gemacht hatte wanderte wieder eine Gruppe weiter und zeigte die Bilder bzw. ließ sich die in der Gruppe entstandene Geschichte erzählen. Ausgehend von den mitgebrachten HeldInnenbildern wurden nun weitere Bilder der HeldInnen gebildet & fotografiert.
  7. und hier letzter Schritt: Figuren aus jeweils zwei Geschichten begegnen sich in einer mit Sprache und Bewegung improvisierten Szene, die auch durch die HeldInnenbilder inspiriert sein sollze mit der Einladung, die Geschichten zusammenzuführen. Die Szenen wurden auf Video festgehalten.

Beim Debriefing wurde von Anwesenden darauf hingewiesen, dass die assoziative Kombination der Geschichten zunächst scheinbar absurdes Material ergab, dass sich dann aber „trotzdem“ als ‚sinnvolle‘, kreative und im Moment entstandene gemeinsame Geschichte erwies. Betont wurde auch die sehr intensive Zusammenarbeit der Anwesenden. Ebenso angemerkt wurde die – auch für mich eindrucksvoll sichtbare – entstehende inspirierende, positive und ansteckende Energie zwischen den Anwesenden sowie ebenso viel an gemeinsamen Lachen.

 

Weiterentwicklungsmöglichkeiten und Potentiale:

Eine Person wies beim Debriefing auf das Gefühl hin, sich unwohl dabei gefühlt zu haben, etwas vor den anderen zu inszenieren. In dieser Session hoffte ich, dass die Wort-für-Wort-Geschichte als Aufwärmen und Entstehen eines sicheren Rahmens hilfreich war bzw. auch dass die Anwesenden schon am Tag zuvor in einer relativ intensiven Interaktion gewesen waren. Gleichzeitig habe ich nicht auf die Freiwilligkeit des Mittuns hingewiesen… Sowohl diese Person als auch alle anderen Anwesenden beteiligten sich gleichzeitig in einer sehr intensiven Weise am (Weiter)Kreieren der Geschichten.

Der Einsatz digitaler Medien in diesem kurzen Zeitslot hat den Prozess durch visuelle Impulse angeregt und teils verstärkt. Die entstandenen Bilder könnten in einem weiteren Schritt Ausgangspunkte für andere Geschichten in Wort und Bild sein, wobei dies auch denkbar wäre, wenn alle Personen einen rein digitalen Zugriff auf das vorhandene Material haben.

Die Bilder von HeldInnen könnten Ausgangspunkte dafür sein, Eigenschaften von HeldInnen zu analysieren und Verbindungspunkte zu eigenen Stärken und Potentialen zu knüpfen. Gleichzeitig könnten sie Impulse liefern, über die grundsätzliche Struktur von Geschichten im Sinne der HeldInnenreise zu reflektieren. Ein mögliches Szenario, das ich dann nicht umgesetzt habe, wäre auch eine Begegnung und Interaktion ausschließlich der HeldInnen der Geschichten gewesen. Aus Zeitgründen entfallen ist zudem der Schritt der Reinszenierung der wort-für Wort-Geschichten. Wobei aus der Gruppe die gute Idee gekommen ist, die Geschichten als Audio-File aufzuzeichnen, ebenso eine gute Weiterentwicklungsmöglichkeit.

Das Videomaterial der zwei Geschichten könnte in einem folgenden Schritt zu einer einzigen Geschichte weiter verwoben werden, also eine assoziative Herangehensweise an Schnitttechnik.

Weiterentwickeln des Einsatzes von Visualisierungen inkl. Rich picture

Angefangen hat es mit einem Workshop bei der Konferenz des Applied Improvisation Network 2016 in Oxford. Dort ging es um die Frage, wie Debriefing (Reflexion von Improvisationsmethoden – siehe mehr zu diesem Begriff) auch mit kreativen Methoden umgesetzt werden kann. Die großartige Anne-Marie Steen motivierte dort Teilnehmende u. a. innerhalb kürzerster Zeit ein Bild zu zeichnen (zu den Details der Inputs).

Ich war von mir selber überrascht, wie leicht mir das Zeichnen letztlich gefallen ist und welche spannenden Erkenntnisse sich so ergeben haben. Denn ich gehöre eindeutig zur Gruppe jener Menschen die mit großer Vehemenz das „ich kann nicht zeichnen“ als Glaubenssatz für sich erkoren haben. Wobei ich schon einige Jahre, Teilnehmende von Bildungsangebote, die ich (mit)leite dazu animiere selbst zu Zeichen im Zusammenhang mit der Visualisierung der Lebens- oder Medienbiographie sowie des Werkzeugs des Ressourcenkleiderschranks (mehr).

Ich setzte nach 2016 verschiedene Formen von Visualisierung nun noch intensiver als Methode in diversen Bildungsangeboten um, wobei ich die Methoden von Rich picture bzw. von Grids & gestures (siehe dazu diesen Beitrag) als besonders vielversprechend sowie vielfältig erlebe sowie als Ansätze, die assoziatives bzw. divergentes Denken und Handeln, ganz im Sinn der Angewandten Improvisation initiieren, ermöglichen, begleiten … Weiterlesen

ImproImpulse bei der Flipped Classroom Convention in Berlin

Ich freue mich sehr, dass ich auch bei der Flipped Classroom Convention am 30. 6.17 in Berlin ImproImpulse einbringen durfte! Vielen Dank an JuliaWerner & Christian Spannagel (beide PH Heidelberg) für die Gelegenheit sowie das gemeinsame lustvolle Vorbereiten.

Zum Einsatz kamen in Berlin zunächst Hinweise auf grundlegende Anregungen für ImproImpulse: Oft stimmt der allererste Impuls, Angst ablegen etwas „falsch“ zu machen, zu anderen Ideen „Ja, genau“ sagen. Zudem nahm ich Bezug auf eine Aussage am Anfangd er Konferenz: Wegen heftiger Regenfälle gab es bei der Anreise einige Hindernisse und Schwierigkeiten – „Wir mussten improviseren“. Ich wies darauf hin, dass Improvisation mehr ist, dass wir improvisieren können & dürfen (siehe auch hier). Dann kamen zum Einsatz. ein Wort-für-Wort Spiel und der „Lösungs-Dreisatz“. (siehe als Hintergrund auch diesen Blogpost zu Angewandter Improvisation in Bildungssettings!) (Schön zu sehen ist die intensive Interaktion in diesem Video!)

cc_by_cfreisleben

cc_by_cfreislebenEbenso das Teilen von Ergebnissen via Papierfliegern (siehe hier die dokumentierten Ergebnisse) kann als Variante von Improvisationsmethoden gesehen werden: Eine Erkenntnis wird vergleichsweise spontan formuliert sowie anderen im „Lernraum“ zur Verfügung gestellt. Vom didaktischen Design her wurde zudem unterstützt, dass die Teilnehmenden während des gesamten Tages „Ausgangsmaterialien“ für die Methoden sammelten: Initiiert durch Impulsfragen (mehr) eine bewusstere Wahrnehmung von erworbenen Wissen. Am Ende förderten die ImproImpulse, sich gemeinsam mit anderen über eigene Erkenntnisse noch bewusster zu werden. Gleichzeitig wurde eine lockere, entspannte Atmosphäre gefördert, die wiederum den Austausch beflügelte. Ein schönes Beispiel, wie ImproImpulse Co Creation von Wissen – ganz im Sinn des flipped / inverted classroom – unterstützen! (siehe auch dieses storify mit Bildern von Teilnehmenden!)

Jetzt arbeite ich schon fast zwei Jahre an meiner Dissertation zum Einsatz von Herangehens- / Denkweisen und Methoden aus der Angewandten Improvisation offline und online im tertiären Bereich. Ich kann dabei auf verschiedenste Erfahrungen aus meinen letzten 30 beruflichen Jahren zurückgreifen. Ein Thema, das mich dabei ebenso wie die Improvisation von Anfang an begleitete ist die Frage, wie Bildung dialogorientiert und nachhaltig wirksam gestaltet werden kann. Das hat u. a. dazu geführt, dass ich nun seit über drei Jahren Fachverantwortlicher Inverted Classroom (synonymer Begriff für Flipped Classroom) an der FH St. Pölten bin. Gerade auch für dieses didaktische Konzept ist Angewandte Improvisation in einer sehr vielfältigen Form und in mehrfacher Hinsicht spannend, hilfreich, inspirierend… .

 

 

 

Impulsfragen in der Tagungsmappe

  • Wichtige Stichworte, mit denen ich den EInsatz des Flipped Classroom und dessen Mehrwert beschreibe
  • Als Potentiale bzw. Herausforderung bei der Planung, Umsetzung und Reflexion von Bildung mit Flipped Classroom erlebe ich aktuell / am Ende der Konferenz
  • Tipps oder Literaturhinweise, die ich von anderen Teilnehmenden bekommen habe
  • Drei bis fünf Schritte, die ich in der nächsten Zeit in meinen eigenen Unterricht umsetzen werde

…am „Fächer“

  • Kontakte…
  • Von der #FCC2017 nehme ich mit

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Angewandte Improvisation in Bildungssettings

Schon Johann Comenius betonte im 17. Jahrhundert die Bedeutung spielerischer Ansätze im Bildungsbereich wobei er dabei auf Überlegungen von Aristoteles oder Plato zur Bedeutung von Spiel für das Leben aufbaute. Methoden aus der Angewandten Improvisation haben zweifellos einen spielerischen Charakter. So sammelte etwa die Sozialarbeiterin Neva Boyd in den 1920er-Jahren Kinderspiele bzw. erfand selbst welche und setzte diese ein, um Sprachfähigkeiten, Problemlösungskompetenz, Selbstsicherheit und soziale Fähigkeiten bei Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu fördern. Gleichzeitig verwenden sowohl Boyd als auch Personen, die auf ihre Arbeit aufbauten wie etwa Viola Spolin, Keith Johnstone oder Augusto Boal die Bezeichnung „Übung“ für die vielfältigen Methoden. Gearbeitet wird etwa mit Assoziationen mit Bildern & Grafiken, Worten, dem Körper, Klängen, der Stimme, Gegenständen… Dazu kommen Übungen um Räume sowie Menschen dort gezielt wahrzunehmen sowie eigene Handlungsoptionen in diesen. Ein wichtiges Werkzeug sind zudem improvisierte Kurzszenen, die auch aus einzelnen Worten und Momentaufnahmen bestehen können.

Hier ein Einblick in einige Einsatzoptionen von Improvisationsmethoden in Bildungssettings:

  • Entwickeln und reflektieren von didaktischen Designs sowie von Forschungskonzepten
  • Gegenseitiges Kennenlernen als kontinuierlicher Prozess
  • Biographisches Arbeiten
  • Visualisierung, bewusste Wahrnehmung und kreative Verknüpfung von vorhandenen Kompetenzen, expliziten / impliziten Wissen, Erfahrungen und Herangehensweisen
  • Brainstorming (wobei es nicht nur um neue Ideen geht, sondern ebenso um die Nutzung vorhandener Ideen / Materialien)
  • Unterstützen von tiefgehenden Verständnis für komplexe Zusammenhänge, (auch historische) Abläufe und Systeme, also u. a. Formeln und Statistiken aus allen Feldern
  • Hilfe beim Verstehen und Lernen von Fachbegriffen und –vokabeln (auch darum sind die Herangehensweisen / Methoden wichtige Werkzeuge, u. a. um Health Literacy zu fördern)
  • Entdecken, erforschen und konkretisieren von Möglichkeiten, um komplexe Themenstellungen und Herausforderungen anzugehen
  • Definieren und konkretisieren von Lernzielen
  • Reflexion von Lernschritten und –ergebnissen (ebenso im Sinn von Wiederholung und Festigung von Wissen sowie von Transfer in verschiedenste Lebensrealitäten)
  • Kraftvoller Umgang mit und Nutzung von Rückmeldungen, Beschwerden, (Beinahe)fehlern
  • Ausgangspunkt für wertschätzende und neugierige Begegnung mit verschiedenen Zielgruppen (inkl. wahrnehmbar Machen von deren Alltagsrealitäten, Bedürfnissen, Ängsten, Hoffnungen, Lebenssituationen…)
  • Planung, Umsetzung und Reflexion von Projekten sowie Veranstaltungen (wobei Angewandte Improvisation dort auch viele methodische Optionen bietet / eröffnet)
  • Entdeckung und Erforschung von Sozialräumen sowie verschiedener Handlungsoptionen in diesen
  • (Weiter)Entwickeln, erforschen und selbst kreieren von Geschichten im weitesten Sinn (inkl. wissenschaftliche Texte, Drehbücher, Gamedesign, Abläufe in Unternehmen und Institutionen…)
  • Entwickeln, austesten und reflektieren von Methoden, von Designs und Produkten sowie von User*innen-stories dazu
  • Partizipative Aktionsforschung (wobei Angewandte Improvisation auch für andere Forschungsmethoden u. a. zur Datensammlung herangezogen werden kann)

Improvisationsmethoden haben gleichzeitig Effekte auf überfachliche Kompetenzen. Ermöglicht / initiiert – auch im Sinn des Schaffens von sicheren Zonen -, begleitet, herausgefordert, reflektiert wird u. a.:

  • Kreativität
  • Spontanitätskompetenz
  • Vernetztes Denken und Handeln
  • Die Fähigkeit zu intensiver und von gegenseitiger Wertschätzung sowie Unterstützung geprägter Zusammenarbeit
  • Selbstsicherheit und Selbstwirksamkeit
  • Digital Literacy in einem umfassenden Sinn, auch weil u. a. Web 2.0-Werkzeuge zum Einsatz kommen können

 

Literaturhinweis:

Berk, R. A., & Trieber, R. H. (2009). Whose Classroom Is It, Anyway? Improvisation as a Teaching Tool. Journal on Excellence in College Teaching, 20(3), 29–60.

Freisleben-Teutscher, C. F. (2015). Digital Literacy bei Lehrenden und Lernenden gezielt fördern. medienimpulse, (4/2015).

Simon, W. P. (2011, January 12). Boyd, Neva Leona. http://www.socialwelfarehistory.com/people/boyd-neva-leona/

 

Angewandte Improvisation im Gesundheits- und Sozialbereich

Angewandte Improvisation (siehe auch hier) / Improvisationsmethoden können auch im Gesundheits- und Sozialbereich auf mehreren Ebenen zum Einsatz kommen, u. a.:

  • Im Bereich der Aus- und Fortbildung
  • In internen Weiterbildungen und Teamtrainings
  • Im Konfliktmanagement und in der Mediation
  • im Rückmelde- und Fehlermanagement
  • in der Beratungs- und Begleitungsarbeit von KlientInnen, PatientInnen und Angehörigen
  • im Projektmanagement bzw. als Projektmethode
  • als Forschungswerkzeuge
  • für dialogorientierte Präsentationen

(Neu) Gelernt, eingeübt und vertieft werden Fähigkeiten wie:

  • gegenseitige Unterstützung
  • achtsames Zuhören und Empathie
  • wahrnehmen, aufgreifen, nutzen und weiterentwickeln von Ideen und Vorschlägen, sowohl eigener als auch jener von anderen
  • Finden, Auswählen, Konkretisieren von neuen Ideen sowie die Reflexion von Umsetzungsschritten dazu
  • Selbstsicherheit

Aus der Perspektive der in diesen Feldern tätigen Berufsgruppen ermöglichen, unterstützen und begleiten Improvisationsmethoden:

  • interdisziplinäre Zusammenarbeit
  • das Entstehen, die Arbeit, die Reflexion von Teams
  • einfühlsames Erklären von Fachbegriffen sowie von Methoden / Instrumenten zur Anamnese, Behandlung, Rehabilitation…
  • das Überbringen von „schlechten Nachrichten“ (etwa in Bezug auf Krankheit oder den reduzierten Zugang zu Sozialleistungen)
  • den Umgang mit als herausfordernd erlebten Situationen
  • den Umgang mit ständigen Veränderungen und Neuerungen
  • ein selbstwirksamer Teil des Unplanbaren zu sein, anstatt sich von diesem überrollen zu lassen
  • Stärkung von Resilienz und Prävention von Burn Out

Aus der Perspektive von PatientInnen, KlientInnen, BewohnerInnen, NutzerInnen ermöglichen, unterstützen und begleiten Improvisationsmethoden:

  • Das Finden und Ausformulieren (und / oder zeigen) von Bedürfnissen und Wünschen
  • Umgang mit „schlechten Nachrichten“
  • Handlungsoptionen für das eigene Leben (neu) entdecken, konkretisieren und die Umsetzung reflektieren
  • In einen intensiven und bereichernden Dialog mit anderen PatientInnen, KlientInnen, BewohnerInnen, NutzerInnen zu gehen
  • Lernprozesse sowie Health Literacy in einem umfassenden Sinn

 

Rhetorik mit der Kraft der Improvisation

Bericht von einem Workshop im Rahmen des SKILL-Fortbildungsprogramm an der FH St. Pölten am 4. 11. 16 von Lukas Zenk (Donau-Universität) und mir.

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Impulses to really see / here / perceive each other

A paradigm for any form of improvisation is, to notice what others around you are doing and also to use impulses offered by these people. That sounds quite normal, naturally, self-evident. One point is, that we often forget to do it, another one is that again and again it is important, to practice to do it and how to incorporate, use, evolve, to connect impulses.

I will tell in this blogpost about several approaches to that, I encountered lately.

At the improvisation theater festival moment in Vienna (September 2016) I attended a workshop of Rob Ben Zev: We used various association games, e. g. one similar to a “Yes, and…- game” and also played short scenes. One rule, we used in the whole workshop: Use words, parts of sentences, whole sentences that your partner used before. So if he/she says “Hello, Susan!” you either have to incorporate “Susan” or “Hello” or both in your own sentence. Rob also told us, to hold eye contact during exercises, to make sure, to stay in contact and not to search for inspirations in thin air around us (ceiling, floor, wall, window – just looking away). We used both approaches afterwards in the improvtheater group I am part of, and decided also to use movements of the other person we perceive. You can only use words / movements of others if you are aware, they are here, that they are – to speak with Patricia Madson – presents in the room, you are invited to use.

In this workshop I also got another deep insight in the “Improv rule” of “follow the follower”: I am using mirror games and “copying each other” – games a lot. Rob told us from the beginning of the method we did in pairs, that we should do and react at the same time, that both of us are giving bodily inspirations and copy them at the same time. I lately experienced a method, that could also be seen like an intimate variation of that: Pairs. Both raise their hands as a starting point to the level of the own shoulders, the palms of your hands show to you. The backsides of the hands connect. Both persons start to move their hands in a play of giving and taking impulses of movements at the same time.

Dr. Duncan Marwick is an expert and practitioner on playbacktheater, who facilitated a workshop at the “Impro talks symposium” (Zurich, Oktober, 2016). He referred to the Meisner technique, that for sure is also relevant for any use of methods of Applied Improvisation.  I described one method (a ball game) he used here. Another one was this:

A pair, looking at each other closely. One of them is saying something, he or she sees. The very first, obvious thing. It might be a detail on the face or on the clothes. It might be, that the other person Is wearing glasses or a blue shirt. Now look to another spot in the room. Say something different, you remember. After trying this for some time: Choose one observation like “You have brown eyes” and say it, your partner repeats that (or “You have brown eyes” and “I have brown eyes”). Using the same line, this dialogue goes on for about two minutes. Notice small differences in language and if they are used by the partner, like pace, breathing, rhythm…

The observation, choosing one thing to say and repeat is afterwards also used while:

  • Sitting back to back
  • Sitting back to back, stand up together and sit down together for the next two to three minutes
  • Stand side by side, your shoulders and arms touch. While repeating kneel down at the same time and stand up again
  • One partner is standing behind the others – he/she is touching the other. While repeating try to be the one, who stands in the front in a playful, tender and at the same time energetic way (you want to be in the front!)

This results in really taking in the other one, start to notice and react on very subtle, “small” variations. A focus is on the relationship and it’s development.

I also attended the workshop “The story is in your partners eyes”, designed and facilitated by Odile Cantero at a improvisation theater festival in Zurich (Oktober 2016).  I often use this game she used as a start: Standing in a circle, pointing to another person and saying his or her name (often I use the variation of just saying “You”) and waiting to be acknowledged by a “Yes”.  At this instance walking to the place, this person is standing while in the same time, he/she points to someone else, saying the name, waiting for acknowledgment and is starting to go, before the person who pointed to him/her has reached his/her place.  The next step is to stop saying the name and just look at the person. And he or she acknowledges with a small nod. Odile then took another step further: Also the small nod isn’t used any longer.

She then did some “eye yoga” with us. The basic structure: Everybody is looking at one person. This person turns his/her head to someone and instantly everybody is looking to him or her.

She afterwards told us, to choose a partner and while a four minutes piece of music playing to look for the whole time in his or her eyes. Very impressive and inspiring!

Afterwards we did small scenes, most of them inspired by a music played at the beginning. One important starting point and constant side coaching was: Look in the eyes at your partner. Not on the floor, not on your hands, not somewhere on the stage. It was astonishing easy to get inspirations and impulses from this constant looking at each other.