Improvisation als Startpunkt, zum Kennenlernen, als Annäherung an ‚Herausforderndes‘

Zuletzt hatte ich die große Freude ein Workshop mit Methoden aus Angewandter Improvisation für „Start Oberösterreich“ http://www.start-stipendium.at/category/start-oberosterreich/ umzusetzen. Teilnehmende waren acht Jugendliche zwischen 15 und 17, die sich an zwei Tagen beim „Young Leadership Seminar“ für Ihre Tätigkeit als SprecherInnen für die StipendiatInnen vorbereiteten. Start „ist ein Stipendienprogramm, das engagierten Jugendlichen mit Migrationsgeschichte den Maturaabschluss ermöglichen will.“

Mein Auftrag lautete, an einem Abend den Kennenlernprozess zwischen diesen Jugendlichen zu unterstützen und dann – nachdem sie eine Zeitlang mit Birgit Kropik gearbeitet hatten – zu Themen zu arbeiten, die die Jugendlichen als herausfordernd erleben.

Gestartet habe ich mit einem Hinweis auf einige wichtige Improvisationsregeln http://www.improflair.at/wiki/doku.php?id=impro_-_regeln und dann mit Variationen aus den „soziometrischen Linien“ (http://www.improflair.at/wiki/doku.php?id=schnelle_linien):

  • Geburtsort im Raum sichtbar machen, mit der Idee, dass die Mitte der aktuelle Ort ist und Himmelsrichtungen vorgegeben sind (N – S – O – W);
    • den Ort nennen und den eigenen Namen voranstellen.
    • „Wo bist Du in die Grundschule gegangen?“
    • „Wo war Deine ‚nächste‘ Schule?“
  • Linie: Links steht eine Person, deren Name mit A beginnt, rechts eine deren Name mit Z beginnt – so schnell wie möglich aufstellen und dann
    • „Ich bin (eigener Name). Rechts von mir steht (Name), linkes von mir steht“
  • Linie 2: Schuhgröße von klein auf groß inkl. Nennung des Namens (ist im Vergleich zur ersten Runde etwas lauter und sicherer)
  • Linie 3: Sortieren nach der Größe des kleinen Fingers (sichtlich großer Spaß, die Länge auszumessen, es entsteht ungezwungene körperliche Berührung, lachen, Tempo)
  • Wiederholung der Namenslinie
  • Cluster 1: „Finde Personen, welche dieselbe Lieblingsspeise haben wie Du, stelle sicher, dass Du noch immer deren Namen kennst.“
  • Dann lade ich ein, dass die Teilnehmenden selbst Fragen einbringen, was sie voneinander wissen wollen; es entsteht u. a.:
    • Zahl der Sprachen, die eine Person spricht (ich lade ergänzend ein, sich in möglichst unterschiedlichen Sprachen zu sagen „Ich heiße …“) (Cluster)
    • Alter (Linie)

Nächster Schritt sind Varianten von bewussten Gehen:

  • Gehen und Tempo immer weiter steigern und dann die Einladung „Zeitlupe“ http://www.improflair.at/wiki/doku.php?id=bewusstes_gehen_grundvarianten – bei dieser wird das Gehen der Anwesenden sehr behutsam, achtsam und es wird schlagartig still im Raum
  • Ich bitte darum, mit mir gemeinsam Varianten zu gehen, die die Auswirkungen von (auch kleinen) Veränderungen der Körperhaltung erlebbar machen (siehe auch http://www.improflair.at/wiki/doku.php?id=bewusstes_gehen_status_macht); Ziel ist ‚Material‘ für die darauffolgende Variante zu sammeln sowie den gegenseitigen Fokus zu unterstützen:
    • Kleine und große Schritte
    • Enge / weite Spurweite
    • Zehenspitzen nach innen / nach außen
    • Mit dem Blick auf dem Boden / zur Decke gehen
    • Mit Händen & Armen hinter dem Rücken verschränkt / locker neben dem Körper
  • Dann „Stop & go“ (http://www.improflair.at/wiki/doku.php?id=gehen_und_stopp)
    • Alle gehen gemeinsam los bis seine/r stehen bleibt dann bleiben alle stehen bis jemand losgeht, alle gehen wieder los
    • Dann die Variante: So gehen, dass Hoffnungen und Ängste in Bezug auf die bevorstehende Aufgabe sichtbar werden (sichtbar werden u. a.: Gebeugte Haltung mit einer Hand vor dem Gesicht; Arme leicht angehoben und leichtes tanzen; sehr große Schritte; ‚autoritäres Gehen‘ (folgt mir nach!)…

Beim Debriefing frage ich nach, wie die Veränderungen im Gehen erlebt wurden – u. a. gesagt wird sinngemäß „die Körperhaltung beeinflusst die Stimmung“, „die Atmung verändert sich“, „spannend, wie intensiv ich die anderen dabei wahrnehme“. Dann frage ich nach dem „Stop und Go“ sowie den dabei Wahrgenommenen Ängsten und Hoffnungen. Als eine wichtige Haltung für die Tätigkeit als SprecherIn wird einiges genannt, spanenderweise u. a. Anmut, Leichtigkeit, Mut, Selbstvertrauen, Zuversicht…

Dann weiter im bewussten Gehen:

  • In Paaren und einer Dreiergruppe einander durch den Raum führen mit der Vorgabe: „So wie Du führst, wird für den / die andere(n) sichtbar, was Deine Vorstellung, Deine Idee, Dein Motto für Deine Tätigkeit als SprecherIn ist.“ (inkl. Wechsel; http://www.improflair.at/wiki/doku.php?id=bewusstes_gehen_durch_den_raum_fuehren; sehr intensiv, achtsam, mit einigem Lachen)
    • Einladung auszutauschen, was der Unterschied zwischen „Führen“ und „Geführt werden“ erlebt wurde sowie „was Du vom anderen und seiner/ihrer Vorstellung, Idee, Haltung, Motto erfahren hast“.
    • Am Ende des Austauschs: Einander eine beim Tun und beim Gespräch entdeckte Stärke, positive Fähigkeit mitteilen

Im Debriefing sinngemäß genannt wird u. a., „interessant, dass ich erkenne, was mir jemand mitteilen will“.

Abschließend frage ich die Gruppe, ob jemand noch ein Spiel kennt. Vorgeschlagen wird „Mörder“ in folgender Variante: Teilnehmende stehen im Kreis mit geschlossenen Augen, ich gehe herum und berühre eine  Person, die so zum Mörder/Mörderin wird. Alle gehen durch den Raum. MörderIn mordet mittels Augenzwinkern, die anderen sollen herausbekommen wer es war. Ich hänge noch ein Debriefing an; es kommt „aufeinander achten“ (im positiven Sinne von, wer sich gerade wie bewegt).

 

Am zweiten Tag setze ich dann zunächst verschiedene Verfremdungstechniken ein. Ich starte zum Aufwärmen mit der Kombination aus „Einander Zuklatschen“, (vereinfachte Variante von Handimpulse: http://www.improflair.at/wiki/doku.php?id=handimpulse), Zip, Zap, Zop“ (Zip zeigen auf irgendjemanden in der Gruppe, diese Person ist dran; Zap: zeigen auf NachbarIn rechts oder  links, die Person ist dran; Zop: Auf jemand in der Gruppe zeigen aber nicht auf NachbarIn); und Wortassoziation (http://www.improflair.at/wiki/doku.php?id=assoziationskreis).

Etwas zögerlich und unkonzentriert, die Teilnehmenden sind sichtlich müde, aber durch motivierende Worte kommt das Spiel in Gang.

Dann: „Ich bin, Ich bin, ich nehme“ http://www.improflair.at/wiki/doku.php?id=ich_bin_ich_bin_ich_nehme – hier ist schnell mehr Energie spürbar, mehr Bewegung; besonders auch durch die dann gegebene Vorgabe, Begriffe aus der Tätigkeit als SprecherIn zu nehmen.

Im Folgenden beschreibe ich im Überblick dann die gewählten Methoden, nicht aber die behandelten Themen:

Bei kurzen Debriefing wird als für Gemeinsames in Gruppen der gegenseitige Fokus genannt, die Achtsamkeit, das aufeinander Schauen.

  • Vereinfachte Form von Forumtheater (https://de.wikipedia.org/wiki/Forumtheater), ProtagonistIn wählt jemand aus der Gruppe als AntagonistIn aus. Diese/r wird ausgestattet u. a. mit Alter, Vorlieben, Art und Weise sich zu bewegen, zu sprechen usw. – immer orientiert an einer real existierenden Person. Eine Szene wird gespielt, die sehr typisch für das benannte Thema, Problem… ist, bis ProtagonistIn ansteht. Dann Szene von Anfang an, wobei die anderen Anwesenden zuvor verschiedene Handlungsoptionen vorschlagen (oder auch vorzeigen)

War toll und bereichernd mit dieser Gruppe arbeiten zu dürfen. Vielen Dank!

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