„Nur“ improvisiert?

Letztens habe ich auf einer WebSite einer Institution die Aussage entdeckt, dass sie ganz sicher nicht etwas tun / anbieten würde, was improvisiert wirkt.

Das Erste, das mir dazu einfällt: Schade!

Denn „improviosiert“ ist nicht das Gegenteil von „geordnet“, von „wohl vorbereitet“, von „gut überlegt“ und „professionell sowie seriös umgesetzt“!  Es ist eine wertvolle Ergänzung, ein zusätzlicher Aspekt, ein Aufbauen, auf dem was da ist, ein neues Verbinden von Vorhandenen, ein Ansatz, der ungeahnte Potentiale und Wege eröffnet.

Also auf keinen Fall ist improvisiert etwas, dass dann schlecht rüber kommt, wo alle sagen: „Na das ist ja improvisiert“ mit einem verächtlichen Tonfall. Sondern: „Na das ist ja improvisiert!“ ausgesprochen mit Anerkennung, Überaschung, einem Hauch Irritation, einer neuen Idee im Kopf, einem gutem Gefühl im Bauch, einen Lächeln auf den Lippen und/oder einer Träne im Auge…

Und: Um Watzlawiks Ansätze hier einzubringen: „Wir können nicht nicht improvisieren.“ Es ist ein Teil unseres Lebens, ja eine Überlebensstrategie, wertvoll, bereichernd, erstaunlich und immer wieder neu. Und das Schöne is: Wir haben die Fähigkeit zum Improvisieren ins uns – wir können sie ausbauen, verstärken, bewusster einsetzen – und sie ist einfach auch da, in jeder Begegnung, in dem Moment wo wir aufwachen und uns entschließen, den Tag etwas anderes anzugehen, im augenblick wo ein Gespräch eine ganz andere Wendung nimmt und in den Situationen, wo wir auch im scheinbar Schwierigen das Angebot, das Geschenk, die Kraft sehen…

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  1. […] Am Anfang gleich zur Erinnerung, wenn hier jemand empört aufschnaubt: Improvisation ist nicht gleichzusetzen mit “wenn gar nichts mehr Anderes geht”, mit ständigen provisorischen Notfalllösungen, mit “da muss es eigentlich was Besseres geben, aber erstmals improvisiere ich.” (siehe auch hier) […]

  2. […] wird oft als eine Art Notfallprogramm wahrgenommen, als „etwas“, wo notdürftig zusammengeflickt wird, damit es – was auch immer – halt doch […]

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